Von äußerer und innerer Mobilität oder eine Einladung zum Aufbruch

Dreisprachenspitze am Stilfser Joch
Dreisprachenspitze am Stilfser Joch

"Beweglichkeit und Bewegung sind Geschenke des Schöpfers an den Menschen. Sie helfen, seine Wahrnehmung von und seinen Austausch mit Menschen, Natur und Kultur zu verfeinern und zu intensivieren - bis er, nunmehr dynamisch-flexibel, zu einer Art Polyphonie des Lebens gelangt ist. Wie das Erleben des räumlichen Klanges und noch mehr das räumliche Sehen die Sinneswahrnehmung qualifiziert und erheblich steigert - so schwingt künstlerisches und historisches Wissen mit, hat man sich nur genug umgeschaut, hat man genug gespeichert, gelesen und gelauscht: etwa bei der `Eroberung einer Stadt´, bei der Betrachtung einer Landschaft, beim Durchstöbern einer Burg. Diese Erweiterung des Horizonts kommt segensreich auf uns zurück. Denn jetzt können wir uns besser relativieren, uns realistischer einschätzen und nicht zuletzt auch unsere vermeintlich großen Probleme entweder in Ruhe angehen oder in ihrer Verhältnismäßigkeit besser einordnen, können wir manch drohende Sphinx `auf die Schliche kommen´ und sie entzaubern. (...)

 

(...) GOETHE sagte einmal `Man sieht nur, was man weiß.´ Solange das Reisen nicht durch Kenntnis und Einfühlung vorbereitet ist, solange die äußere Beweglichkeit nicht mit Neugier, Toleranz und Verständnis auch für anscheinend oder auf den ersten Blick Unverständliches, weil Andersgeartetes, gepaart ist und solange man nicht bereit ist, verändert aus der Ferne zurückzukehren - so lange bleiben alle Reisen ohne Gehalt, zumindest unter dem Aspekt des Weiterkommens, der Entfaltung unserer Persönlichkeit. Der schönste Sinn des Reisens besteht im Austausch und im Dazulernen, im Sichverändern. Und er gipfelt darin, daß man auch das Zuhause neu sieht, möglicherweise sogar etwas umgestaltet und zu guter Letzt daheimbleiben kann - weil man die Welt mittlerweile in sich trägt."

 

Christoph Rueger (1995): Die musikalische Reiseapotheke. Ein klingendes Vademekum für weltoffene Zugvögel, Ariston.

Das Bike verleiht der Seele Flügel ...

... Berge sind was für Alpinisten, der schöne Schmerz bzw. warum tun sich erwachsene Menschen das an?

Auf der Fähre nach Oslo
Auf der Fähre nach Oslo

"Biker sind bessere Menschen jedenfalls, wenn man den Ausführungen des Sportjournalisten Ulrich Stanciu glauben darf. Wer aufs Rad steigt, folgt einem (an)strengen(den) Ehrenkodex, wonach Asphalt und Menschenmassen ebenso zu vermeiden sind wie das Hinterlassen jeglicher Spuren. Gegenüber dem Fußgänger bewegen sich Biker in wesentlich größerem Aktionsradius, dennoch so langsam, daß sie Kultur und Umwelt wahrnehmen. Hautnah können sie die Gesetze der Natur erfahren, vor allem die Schwerkraft. Weil Biker Körperbeherrschung und Konzentration verlangt, fördert es äußere und innere Balance."

 

Heribert Hoven - Süddeutsche Zeitung, 9./10. August 1997

Im Hochgebirge
Im Hochgebirge

"Berge sind was für Alpinisten, Murmeltiere und Lawinen. Ich aber will radfahren. Habe ein lächerlich buntes Trikot an, eine hautenge Hose mit antibakteriellem Sitzpolster und ein paar Schuhe, mit denen ich keine zehn Meter vernünftig gehen kann, die mich aber dank einer ausgetüftelten Bindung an mein Gerät ketten werden. Das wartet neben mir, federleicht, Ferrari-rot, geradezu blödsinnig grazil, wenn ich an das denke, was auf uns beide zukommt.

 

Was mache ich überhaupt hier? Weiß doch eh schon jeder, daß Radfahren auf der Liste `Sportarten, die dich fertigmachen´ ganz oben steht. Danach kommt lange nichts. Dann Rudern, jenes knapp zehnminütige Gepaddel, an dessen Ende die Athleten gern vor Erschöpfung aus dem Boot kotzen. [...] Radfahren im Gebirge ist auch eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Nur zehn Kilometer nach dem Gipfelrausch ist aus den Helden ein Häufchen Elend geworden, von der nun vollends durchgebrochenen Sonne mürbe gesiedet. Der Sport versorgt einen doch hinreichend mit existenziellen Erfahrungen: Angst, Zweifel, Einsamkeit."

 

Christof Siems, ZEITmagazin (29), 11. Juli 1997

Ende der Anstrengung
Ende der Anstrengung

"Die Hände oben am Lenker, den Mund weit aufgerissen. Unterarme und Schultern sind längst taub. Zwölf Prozent hat diese Steigung, knapp zwei Kilometer ist sie lang. Schon nach wenigen hundert Metern brennen die Oberschenkel, zucken die Waden wie in einem Dauerkrampf. Hilft es, sich auf die Lippen zu beißen, um die Schmerzen zu verlagern? `Scheiße´, höre ich mich fluchen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Aber wen interessiert das? Hier, auf diesem einsamen Stück Asphalt, den die sengende Sonne weich gekocht hat. [...]

 

Vielleicht noch fünfzig Meter. Der Pulsmesser piepst hektisch, längst fahre ich im roten Bereich. Noch vierzig Tritte, vielleicht sind´s auch nur noch dreißig. Wie von Ferne höre ich meine Lungen rasseln. Einfach absteigen und hinsetzen! Es wäre doch ganz einfach. Was mache ich eigentlich hier? Wieso gehe ich nicht einfach vor die Tür, spiele ein bisschen Fußball, anstatt hier bei über dreißig Grad im Schatten einen elend steilen Berg hochzukeuchen?

 

Endlich ich bin oben. Die Zunge klappert in meinem Mund wie ein trockenes Stück Holz. Aber ich bin stolz wie ein kleiner Junge, der beim Schulsport sein erstes Tor schießt. Wieder einmal die Schmerzen ignoriert, den schwachen Körper über seine Grenzen getreten. Wie schön muss es eigentlich sein, einen möderischen Berg wie den Col de Tourmalet (... oder das Stilfser-Joch) hinaufzufahren? Der wäre knapp fünfzehn Kilometer länger als dieser Hügel hier. Ich mache das mal. Nicht mehr heute. Aber irgendwann."

 

Frank Döring, tazmag 21./22. Juli 2001

Versuch einer Rekonstruktion

Flucht und Vertreibung aus Windenau / Oberschlesien zurück - "in die alte Heimat" - nach Silbach / Westfalen

"Von denen, die flüchten, wird Flucht immer als vorübergehendes Ausweichen angesehen; stets ist mit Flucht die Aussicht bzw. die feste Hoffnung auf Rückkehr verbunden. Viele Flüchtlinge kehrten so auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in ihre Heimat nach Osten zurück – oder sie versuchten es vergebens und wurden an den neuen Grenzen (z. B. an Oder und Neiße) abgewiesen: Aus Flüchtlingen waren damit Vertriebene geworden."

 

Hans Lemberg: Mehr als eine Völkerwanderung. In. K. Erik Franzen (2002). Die Vertriebenen, Hitlers letzte Opfer, 20.

Versuch einer Rekonstruktion - Flucht und Vertreibung  der Familie Emil Beule aus Windenau (Wichrau, heute Wichrów), Oberschlesien zurück - "in die alte Heimat" - nach Silbach / Westfalen

 

Wer? Vier Personen (Vater: Emil Beule, Mutter: Maria Beule, Kinder: Maria-Elisabeth und Fritz Beule)

 

Wie? Mit dem Wagen, zwei Pferden, zu Fuß und mit der Bahn
 
Fluchtroute: Oberschlesien, Riesengebirge, Böhmen-Egerland, Sachsen, Westfalen
 
Zeitraum: 18. Januar 1945 - 5. Juli 1945 bzw. Anfang August 1945


Literatur

K. Erik Franzen (2002): Die Vertriebenen. Hitlers letzte Opfer. Ullstein.

 

Thomas Darmstädter /  Klaus Wiegrefe (2003): "Lauft ihr Schweine!". IN: Stefan Aust / Stephan Burgdorf (Hrsg.) (2003): Die Flucht! Über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten, 92-95.

Franz Scholz (1975): Görlitzer Tagebücher 1945/46. Johann Wilh. Naumann.

 

Peter Glotz (2003). Der Vertreibung. Böhmen als Lehrstück. Ullstein.

 

Tomás Stanek (2002): Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Böhlau.

Izabella Gawin / Dieter Schulze / Reinhold Vetter (2002): Schlesien. Deutsche und polnische Kulturtraditionen in einer europäischen Grenzregion. Dumont.

 

Karten: Polen (Oberschlesien, Mittelschlesien), Tschechische Republik (Nordböhmen - Ostböhmen, Egerland - Nordböhmen), Höfer; Nachdruck Topographische Karte: 5077 Grunsruh.


Vertiefung zum Thema: R. M. Douglas (2013): Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. C. H. Beck.

Filmtipp: Die Farbe des Ozeans - Regie: Maggie Peren


unesco-projekt-schulen - weltoffenes lernen in einem globalen netzwerk

Paris 2012 - UNESCO
Paris 2012 - UNESCO

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Leitidee der UNESCO

 

Die UNESCO-Projektschulen setzen sich ein für eine Kultur des Friedens im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Menschenrechtsbildung, Demokratieerziehung, Interkulturelles Lernen, Globales Lernen, Umweltbildung, UNESCO-Welterbeerziehung sind die Schwerpunkte der Arbeit.

 

unesco-projekt-schulen deutschland

Gesellschaft der Freunde und Förderer der unesco-projekt-schulen e. V.

 

Deusche UNESCKO-Kommission

 


UNESCO heute 4/2012
Magazin der Deutschen UNESCO-Kommission
uh4_2012.pdf
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60 Jahre UNESCO-Projektschulen in Deuschland
60_jahre_projektschulen_dt.pdf
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Das Portal Globales Lernen der Eine Welt Internet Konferenz (EWIK) hat es sich zum Ziel gesetzt, entwicklungsbezogene Bildung, Eine Welt Erziehung und Globales Lernen zu fördern.

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Generationenmanifest

Zukunftsfähigkeit erfordert mehr als ein paar kosmetische Korrekturen. Und sie braucht den Schulterschluss mit den Schwellen- und Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung eine besondere Bedeutung für alle Themen der Nachhaltigkeit haben. Wir müssen mit langem Atem und konsequent auf eine ökologisch und sozial gerechtere Gesellschaft hinarbeiten.

Fragen

Fragen stellen - abgeordnetenwatch

Anregen

"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." (Friedrich Nietzsche)

Christoph Süß & Band - Letzte Bestellung (2010)

Nach Jahren endlich wieder ein neues Album! - Element of Crime - Lieblingsfarben und Tiere (2014)

Pippo Pollina - L´appartenenza / Die Zugehörigkeit (2014) u.a. mit Martin Kälberer

Schmidtbauer / Kälberer - Wo bleibt die Musik (2014)


"Auf einmal fand ich mich südlicher denn je, tiefer in der Musik denn je. Denn wenn man nach Istanbul kommt, dann ist man mitten in der Musik. An jeder Straßenecke wird musiziert, abends verwandelt sich die Stadt in einen riesigen Open-Air-Live-Club voll mit Groove und Klängen. ..."

"Der beste Weg zur Bildung ist der Schulweg!" Sigrid Klausmann, Regisseurin

HUNDERT99 KLEINE HELDEN - Sirgid Klausmann-Sittler und Walter Sittler zu Gast in der Fernsehsendung DAS! im NDR

Machen

"links und frei" - Herausforderung SPD

100 Jahre Willy Brandt - "links und frei"

Peter Brandt (2013): Mit anderen Augen. Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt. Dietz.

Portal zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland

"Brücken in die Zukunft"

Wie gestalten wir als Gesellschaft die kommenden Jahre und Jahrzehnte, welche "Brücken" müssen wir bauen, um einen lebenswerten Planeten für nachkommende Generationen zu gestalten?

 

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