Blog: Baustelle Zukunft

Bildung - Schule - Lernkultur - Nachhaltige Entwicklung - Zukunft

Bemerkungen zur "Transformation" der Gesellschaft und der Bedeutung der Bildung im Prozess des gesellschaftlichen Wandels in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung

"Das Recht auf Zukunft wird allen gehören." Werner Schmidbauer


Mi

26

Mär

2014

Die Motivation hoch halten

In der Podiumsdiskussion am UNESCO-Tag (26. März 2014) auf der didacta in Stuttgart äußerten sich Bildungsexperten aus Politik und Praxis zu Zustand und Zukunft der BNE. Einigkeit herrschte darüber, dass die UN-Dekade eine Erfolgsgeschichte darstelle. Trotzdem sei eine neue Aufbruchsstimmung nötig. (...)

 

Denn trotz gesellschaftlicher Akzeptanz und vieler Erfolge, die am UNESCO-Tag die wieder zahlreich ausgezeichneten Dekade-Projekte symbolisierten, ist nachhaltige Entwicklung immer noch keine Selbstverständlichkeit in allen Bildungsbereichen. Vielmehr stecke das Thema an vielen Stellen noch im Status des Projekts oder gar der Idee, so Andreas Stoch, Kultusminister des Landes Baden-Württemberg. Um dies zu ändern und die strukturelle Verankerung vor allem im Schulbereich zu beschleunigen, stünden drei Instrumente zur Verfügung: Die Reform der Bildungspläne mit einem Schwerpunkt auf BNE, die Ausbildung von Lehrkräften und die Vernetzung der Schulen mit außerschulischen Bildungsangeboten.

 

Gerade im Bereich BNE sei externe Kompetenz in großem Maße vorhanden, sodass die bei manchen Lehrkräften vorhandene Angst vor einer "Zusatzbelastung BNE" unbegründet sei. Außerdem bedeute die Bildungsplanreform nicht, dass "die Schulen das Rad neu erfinden müssen", so der Minister. Es sei eben nicht gewollt, dass eine Zusatzstunde Nachhaltigkeit gehalten wird, vielmehr sei nun wichtig, vorhandene Fachinhalte in neue Zusammenhänge einzubetten. (...)

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So

16

Feb

2014

"Fragen Sie sich, was Sie wirklich glücklich macht."

Was müsste sich an der Art zu denken ändern. damit wir eine Art von Nachhaltigkeit erreichen können?

 

Natürlich gibt es viele Dinge, die sich grundlegend ändern müssten. Eines davon ist das, was ich die Zeitpersperspektive nenne. Wie lange denken Sie über die Konsequenzen nach, wenn Sie eine aktuelle Entscheidung treffen? Die meisten Menschen denken nicht besonders weit in die Zukunft. Das ist auch der Grund, warum das Thema Klima für uns so problematisch ist. Kurzfristig gesehen sind die positiven Auswirkungen, die wir zum Beispiel vom Autofahren haben, viel höher als die negativen. Also steigen wir ins Auto und fahren eine Runde, weil es kurzfristig keinerlei negative Auswirkungen hat, und lassen völlig außer Acht, dass wir schädigende Treibhausgase produzieren, die auf lange Sicht die Umwelt zerstören. Nur wenn man in langfristigen Zusammenhängen denkt, ist man in der Lage, sein Verhalten zu ändern. (...) Viele Dinge haben langfristige Auswirkungen, und es ist wichtig, dass wir uns das vor Augen führen. Unsere Gesellschaft ist sehr kurzfristig in ihrem Zeithorizont, und es ist notwendig, dass wir diesen Blickwinkel ändern.

 

Wie kann das gelingen?

 

Wir brauchen mehr Informationen, dann können wir anders über Zusammenhänge denken und unser Verhalten verändern. Das kann man durch Erziehung und Bildung erreichen, durch bestimmte ökonomische Parameter, strukturelle Veränderungen und dadurch, dass man auf der politischen Ebene Menschen installiert, die genau diesen Blick für die Langfristigkeit unseres Handelns verinnerlicht haben.

 

Auszug aus einem Interview von Katharina Sieckmann mit Dennis Meadows in PSYCHOLOGIE HEUTE compact, 2013, Heft 33, 62ff.

 

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Fr

24

Jan

2014

Ein veränderter Blick auf Bildung, aber BNE noch immer nicht im Mainstream angekommen

(...) Wurde Bildung für nachhaltige Entwicklung zunächst eher als eine "Nischen-Aktivität" im gesamten Bildungssystem betrachtet, hat sich diese Sichtweise in den letzten Jahren deutlich verschoben. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird heute als ein innovatives Konzept verstanden, mit dem Lehren und Lernen in den unterschiedlichsten Bildungsbereichen eine neue Bedeutung bekommen kann. Bildung für nachhaltige Entwicklung steht nicht mehr neben  u.a. Umweltbildung, Konsumbildung oder Klimabildung als ein "Anhängsel" im Curriculum, sondern ist ein Ansatz, der die Möglichkeit bietet, Bildung generell neu zu denken. (...) Bildung für nachhaltige Entwicklung hat im Laufe der UN Weltdekade den Schritt von einer Bindestrich-Bildung zu einem Konzept gemacht, mit dem Bildung grundsätzlich neu verstanden und die Bildungsqualität gesteigert werden kann. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist allerdings trotz unzähliger Initiativen, Aktivitäten und Projekte noch nicht im "Mainstream" angekommen. (...)

 

Gerd Michelsen (2013): Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Post-Dekade. IN: Jahrbuch 2013: Bildung für nachhaltige Entwicklung, forum edition, forum umweltbildung für nachhaltige entwicklung, 11ff.

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Di

21

Jan

2014

Ermöglichen - Bildung bzw. Bildungspolitik als Ressource für Suffizienz

Ein schlichtes Kürzungsprogramm für den Konsum reicht nicht aus, um einen suffizienten Lebenstil zu gelangen - wir müssen den Wohlstand an Gütern, Zeit und Beziehungen neu denken und gewichten. Wesentlich ist hierfür Bildung, die nicht vorrangig auf wirtschaftliche Verwertung ausgerichtet ist, sondern das ganze Leben im Blick hat. Eine Bildung, die Menschen befähigt, ein sinnvolles, selbstbestimmtes Leben zu führen und ihre vielfältigen Bedürfnisse wie Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Entfaltung der Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße zu befriedigen und auf ihre eigene Art glücklich zu werden - ohne dass dies auf Kosten des Glücks von anderen geht.

 

Eine solche Bildung umfasst - neben dem bisher im Mittelpunkt stehenden Erwerb von Wissen - auch lebenspraktische, handwerkliche und musische Tätigkeiten. Diese Bildung ermöglicht Menschen Bestätigung und Selbstverwirklichung auch außerhalb der Berufswelt. Sie befähigt sie zu Tätigkeiten im Haushalt, in der Familie und in ehrenamtlichem Engagement und Partizipationsprozessen. Sie erleichtert eine verstärkte Versorgung mit Gütern, die selbst erzeugt und repariert sind oder mit anderen geteilt werden. Sie befähigt zu einem ressourcenleichten und beziehungsreichen Lebenstil und verbindet Lebenswissen und Lebenskunst.

 

Bildung für eine suffiziente Gesellschaft sollte die soziale, ethische und ästhetische Dimensionen des Lebens einbeziehen. Orientierungswissen und kritische Reflexion stärken die Urteilskraft für die eigene Lebensführung wie auch die politische Teilhabe. Eine solche Bildung kann helfen, Freiheit und Kontrolle über das eigene Leben (zurück-)gewinnen, die Komplexität der Welt sowohl zu verstehen als auch mit ihr umzugehen. Sie kann helfen, sich von den permanenten Wahlmöglichkeiten nicht lähmen lassen, nicht ständig maximale Auswahl anzustreben und zu lernen, worauf wir verzichten wollen. Bildung hilft uns bei der Suche nach dem rechten Maß, das immer wieder neu gefunden werden muss. (...)

 

(...) Das einfache oder das einfachere Leben ist auch deshalb sinnvoll, weil es zur Stabilisierung der eigenen Welt und zur Stabilisierung der Umwelt beitragen kann. Diese Übereinstimmung zwischen persönlichen Leben und gesellschaftlicher Aufgabe macht zufriedener. Von daher sind die Fragen nach dem guten Leben und dem rechten Maß - die Fragen "Wie will ich / Wie wollen wir in Zukunft leben?" und "Was brauche ich / Was brauchen wir wirklich?" - zentral in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

 

Bildungsinhalte, die uns auf dem Weg zu einer suffizienten Gesellschaft helfen, müssen also neben dem Wissen verstärkt auch auf das Können setzen, das Zurechtfinden in einer komplexen Welt erleichtern und die Urteilskraft stärken. Bildungsinstitutionen müssen die Erfahrung immaterieller Zufriedenheitsquellen fördern, wie die Selbstwirksamkeit (dass ich etwas erreichen kann), die Solidarität des gemeinschaftlichen Handelns. Solidarisches Handeln kann dem Konkrurrenzkampf um sozialen Status entgegenwirken, der den materiellen Konsum antreibt. Ob ein eigenes Schulfach "Glück", wie dies schon praktiziert wurde, die Befriedigung zum Glück fördert, sollte diskutiert, erprobt und erforscht werden.

 

Eine umfassende Kompetenzorientierung hat in der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005 - 2014) eine entscheidende Rolle gespielt und wurde in Schule und Hochschzule, aber auch in Kindergärten und im Bereich der Erwachsenenbildung in zahlreichen Projekten aktiv und innovativ umgesetzt. Darunter sind auch viele, die zu einer suffizienten Lebensweise beitragen. Diese sollten weiter verbreitet werden - denn die eigene Erfahrung ist oft wichtiger als die Wissensvermittlung und wecken ihrerseits das Interesse an Wissen. Deshalb sind Möglichkeiten und Freiräume für Erfahrungen und Experimente - ob individuell oder gemeinschaftlich - so wesentlich. Beide Zugänge - "vom Wissen zum Handeln" und "vom Handeln zum Wissen" - sind Wege zu einem suffizienten Lebensstil.

 

Uwe Schneidewind / Angelika Zahrnt (2013): Damit gutes Leben einfacher wird. Perspektiven einer Suffizienzpolitik. 130ff., oekom verlag.

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Sa

18

Jan

2014

Transformation als Bildungsaufgabe

Südzeit - Eine Welt Journal Baden-Württemberg

(...) Im Rahmen der UN-Dekade "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung", die nun in ihr Abschlussjahr geht, wurden ebenso wie im Bereich des Globalen Lernens in den vergangenen Jahren viele wegweisende Bemühungen unternommen, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung auf allen Ebenen des Bildungswesens zu verankern und den Bildungshorizont auf die weltgesellschaftlichen Herausforderungen zu erweitern. Eine umfassende Bildungswende, die auf die Entfaltung der transformativen Potenziale individueller und gesellschaftlicher Lernprozesse zielt, steht freilich noch aus. Was würde es bedeuten, Bildung als transformative Bildung zu begreifen? Anknüpfend an die Errungenschaften des Globalen Lernens muss vor allem eine interdissziplinäre und globale Betrachtungsweise vertieft und gleichzeitig erneuert werden - von der Vermittlung tradierter Wissensbestände hin zu problemlösenden Lernarragements, die die Handlungs- und Gestaltungskompetenz der Lernenden stärken. Der WBGU legt zudem großen Wert darauf, die gesellschaftliche Beteiligung an forschungs- und bildungspolitischen Weichenstellungen zu erhöhen, Bildung und Wissenschaft mithin partizipativer zu gestalten. Vor allem aber wird aber wird es darauf ankommen, dass sich Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik ebenso wie pädagogische Praxis gezielt auf die Frage einlassen, welchen Beitrag Bildung zum gesellschaftlichen Wandel leisten kann und soll. Unser Wissen darüber, wie Gesellschaften lernen, welche Lernprozesse Innovationen auslösen, welche Lernblokaden Veränderungsprozesse verhindern, ist noch spärlich. Die bisherigen Erkenntnisse der historischen Transformationsforschung machen zumindest Hoffnung: Impulse für den Wandel kommen vor allem aus den Nischen der Gesellschaft, von dort, wo Pioniere des Wandels neue Lernerfahrungen machen, neue Lebens-und Wirtschaftsweisen erproben, auf die Gesellschaft zurückgreifen kann, wenn es an der Zeit dafür ist. Das Warten auf die großen politischen Weichenstellungen verstellt den Blick auf das, was wir heute schon tun können. Es ist nie zu früh dafür, Neues zu wagen.

 

Klaus Seitz (2013) im Eine Welt Journal Südzeit, Dez. 2013, Nr.59, 16f.

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Do

16

Jan

2014

An kalten Tagen hat´s der Klimaschutz schwer

Psychologie der kalten Tage

Ansichtern zur Erderwärmung hängen auch am Wetter.

 

Vom US-Politologen Roger Pielke jr. stammt die Geschichte, dass vor einer Kongressanhörung im heißen Sommer 1988 die Klimaanlage ausgeschaltet wurde. Es ging damal um den Klimawandel, und man wollte wohl auf diese Weise Statistiken und Schaubildern mehr Überzeugungskraft verleihen. Die Psychologiein Lisa Zaval von der Columbia-Universität in New York zitiert diesen Fall und bestätigt: Menschen lassen sich tatsächlich durch die gefühlte Temperatur beeinflussen.

 

Zaval und ihre Kollegen bieten sogar eine Erklärung für diesen Effekt an. Zuvor räumen die Forscher aber mit einer anderen Theorie auf: Es helfe nichts, Menschen zu belehren - dass ein kalter Winter noch nicht den Klimawandel widerlegt. Auch wenn sie ihren US-amerikanischen Versuchspersonen entsprechende Texte präsentierten, waren weiterhin an überdurchschnittlich warmen Tagen mehr von ihnen von der Gefahr der Erderwärmung überzeugt als an überdurchschnittlich kalten. Viele Menschen hätten keine stabile Meinung zum Klimawandel, sondern würden sie sich jedes Mal neu bilden,

wenn sie dannach gefragt werden, schrieben Zaval und ihre Kollegen im Fachjournal "Nature Climate Change". Dieser Effekt iat auch von anderen Forscherteams nachgewiesen worden.

 

Um den Effekt zu erklären, greifen die Psychologen nun auf eine alte Beobachtung zurück, die der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann in seinem Buch "Schnelles Denken, langsames Denken" beschreibt: Das Gehrin neigt dazu, schwierige Fragen zu vereinfachen. Wer gefragt wird, wie zufrieden er mit seinem Leben sei, ändert die Frage im Kopf ab zu: Wie zufrieden bin ich jetzt gerade? Lisa Zaval argumentiert ähnlich: Wenn es darum geht, ob die Temperatur auf lange Sicht steigt, fragen sich viele Menschen als Erstes, ob es jetzt gerade wärmer ist als sonst. Der Eindruck vom aktuellen Wetter bildet dann die Grundlage für die Überlegung zum Klimawandel. Als Beleg dient den Psychologen eine weitere Statistik: An ungewöhnlich warmen Tagen halten die Probanten ungewöhnlich warme Tage insgesamt für häufiger. Er bedarf einiger Anstrengungen, um sich von dieser mentalen Automatik zu lösen.

 

Alexander Mäder in der Stuttgarter Zeitung, 16. Januar 2014.


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Mo

13

Jan

2014

"Nischenthema BNE" - Eine Einschätzung zur Wirksamkeit der BNE aus dem Jahr 2003

Oberstufenzentrum Prignitz, Standort Pritzwalk

Über dieses BLK-Programm "21" bzw. andere Modellvorhaben und Projekte oder das Umweltmanagement von einzelnen Schulen ("Leuchttürme der Umweltbildung") hinaus spielt der Begriff der nachhaltigen Entwicklung in der konkreten Bildungsarbeit "vor Ort" kaum eine besondere Rolle. Begriff, Zielsetzungen und Konsequenzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung sind somit auch nach 10 Jahren nach Rio in der pädagogischen Arbeit an der Basis weitgehend unbekannt bzw. finden kaum Berücksichtigung. Die Auseinandersetzung mit der Thematik "Nachhaltigkeit" hängt in der schulischen Praxis im Wesentlichen immer noch von dem persönlichen Engagement einzelner Lehrer für diese Thematik ab bzw. muss immer noch als pädagogisches "Nischenthema" betrachtet werden.

 

Achim Beule (2003): OSZ Prignitz 21 - Zukunftsfähiges Oberstufenzentrum Prignitz bzw. erste Schritte auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung unserer Schule, 9f.

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So

12

Jan

2014

Zukunftsfähigkeit entsteht durch Offenheit gegenüber Krisen

Trendforscher Matthias Horx rät zu mehr Optimismus und erklärt, warum Vertrauen der Kernrohstoff der Zukunft sein soll.

Sie sagen, wir können froh sein, dass nicht alle globalen Probleme gelöst sind. Was bitte ist gut an Wirtschaftskrisen und Flüchtlingsströmen aus Afrika in die EU?

 

Wenn man die Welt und das Leben ein bisschen tiefer versteht, weiß man, dass Krisen eine Botschaft beinhalten, die uns weiterbringen kann. Wirtschaftskrisen sind in einer komplexen Weltwirtschaft keine Endzeiten, sondern Anzeichen für ökonomische Ungleichgewichte - aus der Korrektur entsteht oft neuer sozialer und ökonomischer Fortschritt. Die Euro-Krise wird zu einer Reorganisation Europas führen, genauso, wie die Auseinandersetzung mit den afrikanischen Flüchtlingen zu einer neuen Sichtweise Afrikas und der globalen Vernetzung führen wird. In der Systemforschung nennt sich der dahinterliegende Effekt "Resilienz". Zukunftsfähigkeit entsteht durch Offenheit gegenüber Störungen und Krisen. Evolution ist in gewisser Weise nichts anderes als das Resultat  von Krisen.

 

Was tun die Menschen, denen es gelingt, trotz schwieriger Umständer zuversichtlich nach vorn zu sehen? Was machen sie anders?

 

Zuversicht entsteht immer aus einer gewissen Dankbarkeit gegenüber dem Erreichten. Wir neigen aber offensichtlich zum Gegenteil: Wir legen die Latte des unbedingt zu Erreichenden immer höher. Unsere Ansprüche an Wohlstand, Stabilität, Harmonie, Krisenfreiheit steigen ständig an. Man nennt das auch den Fahrstuhleffekt: Während es uns immer besser geht, wir also mit dem Fahrstuhl nach oben fahren, scheint die Wirklichkeit mit ihren Widersprüchen und Problemen immer wieder "abzufallen". Die scheinbare Fallhöhe steigt. Daduch geht es uns schlechter, obwohl es uns besser geht. Die Konsequenz ist dieses unerträgliche Jammern und Klagen, das uns heute umgibt. Das ist unerträglich vor allem denjenigen gegenüber, die wirklich Grund zum Klagen hätten.

 

Was raten Sie Menschen mit Zukunftsängsten. Wie können Sie diese verlieren?

 

Ich weiß gar nicht, ob man Zukunfsängste verlieren sollte. Aber wir könnten mit ihnen umgehen lernen, sie erwachsen zähmen. Dabei hilft es, wenn wir unsere ewige Kontrollsehnsucht überwinden. Bindungen an Menschen sind ja immer riskant, die Liebe ist riskant, man verliert dabei die Kontrolle! Aber wer sich wirklich auf den anderen einlässt, verliert auch die Angst vor der Zukunft. Er überwindet seinen Narzissmus, der der eigentliche Antrieb der Angst ist. Er produziert den Kernstoff der Zukunft: Vertrauen.

 

Sie beschreiben als anhaltenden Trend die Retrobewegung. Macht uns der Zukunftspessimismus zu Nostalgikern?

 

Zumindest gibt es eine hartnäckige Behauptung, dass früher alles besser war. Wenn man dann allerdings dieser Behauptung einmal nachspürt, wird schnell klar, dass es sich dabei um Verzerrungen des Gedächtnisses handelt. Wären wir früher gerne zum Zahnarzt gegangen? Waren Ehen früher wirklich besser als heute? In welcher frühreren Zeit würden wir wirklich gern leben? Wir selektieren aus unseren Erinnerungen gerne scheinbare Harmonien, aber damit werten wir auch die Gegenwart und die Zukunft ab.

 

Auszug aus einem Interview mit Matthias Horx in der Zeitung Sonntag Aktuell, 12. Januar 2014.

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So

12

Jan

2014

"ALLES IMMER" - Zur Wirksamkeit der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Geschichte, die die Aufklärung erzählt, setzt auf der kognitiven und meist leider auch auf der moralischen Ebene an und hat die wenig überzeugende Botschaft mitzuteilen, dass das Leben zwar weniger lustvoll, aber für künftige Generationen aussichtsreicher wäre, wenn man es veränderte. Das ist kaum atttraktiv, da scheint die Welt des ALLES IMMER erheblich mehr zu bieten zu haben. Deshalb kann man noch so viel " Bildung für nachhaltige Entwicklung" machen und sich wundern, dass die Entwicklung moderner und sich modernisierender Gesellschaften ihre Richtung nicht wechselt: weil wir uns in einer  Geschichte befinden, die uns in den Begriffen von Fortschritt, Wettbewerb und Wachstum erzählt. Bevor wir etwas gegen diese Geschichte einwenden können, sind wir schon Teil von ihr.

 

Harald Welzer (2013): Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand, 65 f, S. Fischer.

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Generationenmanifest

Zukunftsfähigkeit erfordert mehr als ein paar kosmetische Korrekturen. Und sie braucht den Schulterschluss mit den Schwellen- und Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung eine besondere Bedeutung für alle Themen der Nachhaltigkeit haben. Wir müssen mit langem Atem und konsequent auf eine ökologisch und sozial gerechtere Gesellschaft hinarbeiten.

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Fragen stellen - abgeordnetenwatch

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"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." (Friedrich Nietzsche)

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Nach Jahren endlich wieder ein neues Album! - Element of Crime - Lieblingsfarben und Tiere (2014)

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"Auf einmal fand ich mich südlicher denn je, tiefer in der Musik denn je. Denn wenn man nach Istanbul kommt, dann ist man mitten in der Musik. An jeder Straßenecke wird musiziert, abends verwandelt sich die Stadt in einen riesigen Open-Air-Live-Club voll mit Groove und Klängen. ..."

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HUNDERT99 KLEINE HELDEN - Sirgid Klausmann-Sittler und Walter Sittler zu Gast in der Fernsehsendung DAS! im NDR

Machen

"links und frei" - Herausforderung SPD

100 Jahre Willy Brandt - "links und frei"

Peter Brandt (2013): Mit anderen Augen. Versuch über den Politiker und Privatmann Willy Brandt. Dietz.

Portal zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland

"Brücken in die Zukunft"

Wie gestalten wir als Gesellschaft die kommenden Jahre und Jahrzehnte, welche "Brücken" müssen wir bauen, um einen lebenswerten Planeten für nachkommende Generationen zu gestalten?

 

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