Zukunftsfähigkeit entsteht durch Offenheit gegenüber Krisen

Trendforscher Matthias Horx rät zu mehr Optimismus und erklärt, warum Vertrauen der Kernrohstoff der Zukunft sein soll.

Sie sagen, wir können froh sein, dass nicht alle globalen Probleme gelöst sind. Was bitte ist gut an Wirtschaftskrisen und Flüchtlingsströmen aus Afrika in die EU?

 

Wenn man die Welt und das Leben ein bisschen tiefer versteht, weiß man, dass Krisen eine Botschaft beinhalten, die uns weiterbringen kann. Wirtschaftskrisen sind in einer komplexen Weltwirtschaft keine Endzeiten, sondern Anzeichen für ökonomische Ungleichgewichte - aus der Korrektur entsteht oft neuer sozialer und ökonomischer Fortschritt. Die Euro-Krise wird zu einer Reorganisation Europas führen, genauso, wie die Auseinandersetzung mit den afrikanischen Flüchtlingen zu einer neuen Sichtweise Afrikas und der globalen Vernetzung führen wird. In der Systemforschung nennt sich der dahinterliegende Effekt "Resilienz". Zukunftsfähigkeit entsteht durch Offenheit gegenüber Störungen und Krisen. Evolution ist in gewisser Weise nichts anderes als das Resultat  von Krisen.

 

Was tun die Menschen, denen es gelingt, trotz schwieriger Umständer zuversichtlich nach vorn zu sehen? Was machen sie anders?

 

Zuversicht entsteht immer aus einer gewissen Dankbarkeit gegenüber dem Erreichten. Wir neigen aber offensichtlich zum Gegenteil: Wir legen die Latte des unbedingt zu Erreichenden immer höher. Unsere Ansprüche an Wohlstand, Stabilität, Harmonie, Krisenfreiheit steigen ständig an. Man nennt das auch den Fahrstuhleffekt: Während es uns immer besser geht, wir also mit dem Fahrstuhl nach oben fahren, scheint die Wirklichkeit mit ihren Widersprüchen und Problemen immer wieder "abzufallen". Die scheinbare Fallhöhe steigt. Daduch geht es uns schlechter, obwohl es uns besser geht. Die Konsequenz ist dieses unerträgliche Jammern und Klagen, das uns heute umgibt. Das ist unerträglich vor allem denjenigen gegenüber, die wirklich Grund zum Klagen hätten.

 

Was raten Sie Menschen mit Zukunftsängsten. Wie können Sie diese verlieren?

 

Ich weiß gar nicht, ob man Zukunfsängste verlieren sollte. Aber wir könnten mit ihnen umgehen lernen, sie erwachsen zähmen. Dabei hilft es, wenn wir unsere ewige Kontrollsehnsucht überwinden. Bindungen an Menschen sind ja immer riskant, die Liebe ist riskant, man verliert dabei die Kontrolle! Aber wer sich wirklich auf den anderen einlässt, verliert auch die Angst vor der Zukunft. Er überwindet seinen Narzissmus, der der eigentliche Antrieb der Angst ist. Er produziert den Kernstoff der Zukunft: Vertrauen.

 

Sie beschreiben als anhaltenden Trend die Retrobewegung. Macht uns der Zukunftspessimismus zu Nostalgikern?

 

Zumindest gibt es eine hartnäckige Behauptung, dass früher alles besser war. Wenn man dann allerdings dieser Behauptung einmal nachspürt, wird schnell klar, dass es sich dabei um Verzerrungen des Gedächtnisses handelt. Wären wir früher gerne zum Zahnarzt gegangen? Waren Ehen früher wirklich besser als heute? In welcher frühreren Zeit würden wir wirklich gern leben? Wir selektieren aus unseren Erinnerungen gerne scheinbare Harmonien, aber damit werten wir auch die Gegenwart und die Zukunft ab.

 

Auszug aus einem Interview mit Matthias Horx in der Zeitung Sonntag Aktuell, 12. Januar 2014.

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